# 15 Willkommen und Abschied

Goethe spricht in seinem Gedicht von der Vorfreude auf das Treffen mit seiner Liebsten, dem Geniessen des Augenblickes und dem leider viel zu schnell herangerückten Abschied. Lasst mich von meiner Vorbereitung, meiner Freude und meinem bevorstehenden Abschied berichten. Meine Kindheit hatte ein Ende, meine Schulzeit hatte ein Ende, einige Beziehungen haben ihr Ende, jeder Urlaub hat sein Ende, ja sogar jedes Menschenleben hat einmal ein Ende, und nun hat mein Freiwilligenjahr bald sein Ende. Das Gefühl das sich alles Schritt für Schritt meiner Rückkehr neigt, hat sich langsam eingeschlichen. Ich denke alles hat so richtig erst mit unserer Farewellparty vor vier Wochen begonnen. Noras und meine Abschiedsparty fand genau einen Tag nach der letzten Prüfung der Form 4, also viele unserer Freunde statt. Am Morgen des 6. Julis war Noras offizielle Verabschiedung von der Schule und den Lehrern. Danach waren wir und fleissige Helfer den ganzen Tag damit beschäftigt sieben Hühner (selbst geschlachtet), 20 kg Reis und einiges Mehr zu kochen.

Vierzehn unserer besten Freunde waren eingeladen, bei uns im Wohnzimmer mit uns zu essen, trinken und tanzen bis die Füsse wehtaten. Euleika, anfangs mein Gitarrenschüler, mittlerweile besser als ich, schrieb und sang ein Lied “God may bless you, till we meet again”, jeder der wollte, fand ein paar schöne Worte für eine Rede, die nicht nur mich zu Tränen rührten. Dabei wurde mir einmal mehr bewusst: Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, so gute Freunde zu finden, die doch eigentlich so anders sind als ich. Dieser Abend geht definitiv in die Geschichte ein, also zumindest in meine.

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Dancingqueen

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Euleika und Kondwani

Da die meisten unserer Freunde Form 4 waren, in Chilumba nur zur Miete wohnten und nun ihre Schule beendeten, sind sie nach diesem Tag nach Hause gefahren, welches teilweise mittel- bis weitweg ist. Der eigentliche Schulbetrieb ging allerdings weiter und somit auch meine Arbeit. Nora, die anders als ich schon eher nach Hause gereist ist, hatte ihren letzten Chilumba-Tag einige Tage später und somit stand der nächste grosse Abschied an. Seitdem wohne ich nun alleine in Chilumba (naja nicht wirklich alleine, ich habe ja unseren Kater Star, Oma Nyapeti, meinen grossen Bruder Clifford, meine Nachbarn und nicht zu vergessen zahlreiche kleine wie grosse Krabbeltierchen (nicht wahr, Mama? ;))

Lange hatte ich allerdings nicht Zeit über diese Umstellung nachzudenken, da ich bald darauf nach Lilongwe aufbrach um meine Eltern vom Flughafen abzuholen. Die beiden, besuchten mich für zwei Wochen, in denen wir durch das Land reisten und einige der schönsten Orte, die Malawi zu bieten hat, sahen. Angefangen haben wir mit dem im Süden liegenden Bergmassiv Mulanje. Der höchste Gipfel Malawis ist der Sapitwa, was in der Landessprache Chichewa „unerreichbar“ bedeutet und der auf etwa 3001m liegt. In der Gegend um Mulanje wird Tee angebaut, also gingen wir auf eine geführte Teeplantagentour, bei der wir lernten, dass Tee das ganze Jahr über geerntet werden kann und ein Teebauer etwa 8 Euro für 45kg geernteten Tee bekommt, die man pro Tag etwa pflügen kann. Danach ging es nach Cape Maclear, der südlichsten Bucht des Malawisees, die nicht nur schön sondern sehr schön ist. Hier war ich schon mit den anderen deutschen Freiwilligen und habe Silvesterferien gemacht. Schnorcheln im Fischeparadies und Weisskopfseeadler füttern, kann man ja nicht alle Tage, also dachten wir uns, das geniessen wir.

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Mitbringsel aus Deutschland

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Während einer Bootstour zur Thumbi Insel bei Cape Malcear

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Lake Malawi in Cape Maclear

Dann ging es nach Salima in ein Wildlife Reserve, von da nach Nkhata Bay wieder an den See, baden, chillen und das beste: REITEN. Am weissen Sandstrand, in den Wellen, ohne Sattel, zusammen mit Mama. Wie im Märchen. Von da sind wir in die Stadt Mzuzu, in der meine Eltern Markt und Handel, Stadtdreck und Menschentreiben erlebten und im Quartier Mzoozoozoo langsam an die für sie ungewohnten Verhältnisse des „letzten Quartieres“ der Reise rangeführt werden sollten.

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Krokodilfarm in Senga Bay, Salima

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Einstündiger Ausritt in Kande Beach

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Auf dem Weg nach Chilumba

Das besagte letzte Quartier war „Lodge Elli“, was für mich home sweet home hiess und für meine lieben Eltern (Entschuldigt den Ausdruck) Arschbacken zusammenkneifen. Ich habe mich an meine Mitbewohner Frau Spinne und Herrn Kakerlake und den gelegentlichen Besuch von Mr. Durchfall schon lange gewöhnt, Mutter und Vater fanden diese eher, nun sagen wir mal, unliebsam. Allerdings wurden sie herzlichst in meinem Freundeskreis begrüsst, beim Direktor zum Abendessen eingeladen und in der Schule ausführlich herumgeführt. Zudem kann man in Chilumba eine ganze Menge lernen: Wie man „dieses klebrige Zeug“ mit den Fingern essen kann, wie man ohne Spiritus Feuer macht, wie man Nsima kocht (worin Mama um einiges schlauer ist als ich am Anfang), mit den Händen waschen oder sich auf Chitumbuka bedanken.

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Nsima-Abendessen

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Im Labor der Schule mit Direktor Mkandawire und Madam Eliza

Alles in allem war es schön sie hier zu haben, jedoch auch merkwürdig mein eigentliches malawisches Leben, gegen den Luxus der Reise einzutauschen. Eine Nacht in den Hotels in denen wir schliefen, kostete teils mehr als einer meiner Lehrerkollegen im Monat verdient. Über das gemiete Auto will ich lieber gar nicht nachdenken. Nachdem meine Eltern am 25. Juli Richtung Hauptstadt, Flughafen und Heimat aufgebrochen sind, hatte ich noch eine ganze Menge zu tun, meinen Pflichten in der Schule nachzukommen. Vier End-Of-Year-Exams korrigieren, Endnoten kalkulieren und Zeugnisse füllen, brauchte seine Zeit. Die Schulferien begannen am 28. Juli und seitdem ist es ruhig geworden. Ich reise gelegentlich da- und dorthin, verbringe aber die meiste Zeit hier in Chilumba um die mir verbleibende Zeit mit meinen mir gebliebenen Freunden zu verbringen. Und das ist gut so. Ich weiss, dass ich das alles und alle hier so schrecklich sehr vermissen werde. Es fühlt sich allerdings ganz anders an, als vor etwa einem Jahr, als ich Deustchland verliess um nach Malawi zu reisen. Ja, damals war ich auch traurig, Freunde und Familie zu verlassen, aber sicher sie alle nach zwölf Monaten wiederzusehen. Und das kann ich diesmal nicht sicher sagen. Ich möchte nach Malawi zurückkommen, weiss aber dass ich das Leben, wie ich es hier geführt habe und die liebgewonnene Arbeit an der Schule so nie wieder haben kann. Ich weiss nicht, ob ich meine Freunde je wiedersehen werde und ob der Freundeskreis wie er hier exsitiert hat, je wieder zusammenkommt. Und das macht mich unsagbar traurig. Ich freue mich auf meine Freunde und Familie, fürchte mich aber auch vor dem zunächst sehr wahrscheinlichen Fremdfühlen im Heimatland.

Ich bin Gott sehr dankbar für alles was er für mich getan hat dieses Jahr, ich war nie wirklich krank, hatte nie grosse Probleme und habe so unbeschreiblich viel erlebt, von dem ich nur einen Bruchteil in diesem Blog beschrieben habe.

Liebe Grüße und bis bald

Elisabeth

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# 14 Das Ende fängt an

Seit etwa zwei Wochen haben die Form Fours, die Abschlussklasse der Schule keinen richtigen Unterricht mehr. Schüler und Lehrer bereiteten den Abschluss vor, nicht nur die Graduation-Feier sonderen allem anderen voran natürlich die Prüfungen. Am 17. Juni fand die feierliche Verabschiedung von der Schule und die Übergabe der testimonials (Zertifikat, das die Unterrichtsteilnahme bestätigt) statt. Im Voraus wurden im Lehrerkollegium, sowie auch unter den Schülern der Form Four, Komitees gegründet, die für die Vorbereitung und Durchführung der Abschlussfeier verantwortlich waren. Ich war Teil davon, wobei man sagen muss, dass das Meiste die Schüler gemacht haben. Budget aufstellen, Geldbeitrag festlegen, Geld einsammeln, Gästeliste aufstellen, Einladungen schreiben, Hühner aussuchen, grosse Kochtöpfe ausleihen, Essen einkaufen, kochen und backen, DJ auftreiben, Generator besorgen, Raum dekorieren, Tanz einstudieren, Aushilfen und Bedienungen (Schüler der Form 1 und 2) „einstellen“ und vieles mehr, machte so einige in letzter Zeit sehr busy.

Die Feier, die in der Schulbibliothek abgehalten wurde, begann gegen 11 Uhr (planmässig sollte es 8 Uhr losgehen…) mit dem Paradetanz der Form Fours, der durchaus etwas lebhafter war, als der Walzer, den ich zu meinem Abschluss getanzt habe.

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Paradetanz (das Lied findet ihr hier https://www.youtube.com/watch?v=_8qhbfeaRMY)

Der eingeladene Ehrengast der Veranstaltung war Mr. Mwalwanda, ein Parlamentsmitglied und Mitarbeiter der UN, der meiner Meinung nach eine sehr schöne Rede gehalten hat. Seine war die letzte der Zeremonie, der viele andere Reden beispielsweise von headboy und headgirl (Schülersprecher), von dem Klassenlehrer, Schulleiter und unserem Direktor vorausgingen.

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Mr Mwalwanda

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Des Direktors Rede

Zwischen den Reden gab es kleine Programmpunkte, die sich einige kreative oder talentierte Schüler der Abschlussklasse überlegt hatten. Darunter waren ein Schauspiel, dass appelierte sich nach den Prüfungen nicht moralisch gehen zu lassen, mehrere Songs (auch ein selbstgeschriebener), Tänze und ein Comedy.

Alles in allem war ich insgeheim damit beschäftigt, meine eigene Abschlusszeremonie mit der von Tawuka Private Secondary School zu vergleichen und bin zu dem Schluss gekommen, dass bei beiden einiges besser und auch einiges schlechter war. Bei meiner Eigenen mussten Lehrer und Eltern Eintritt/eine Karte zahlen, bei der von Tawuka wurden Lehrer freigehalten und Eltern gar nicht eingeladen. Nur die Ehrengäste, Schüler, Lehrer und das übrige Schulpersonal waren anwesend. Die Abschlussfeier hier begann am Morgen, meine am Nachmittag. Tawukas Feier fand auf dem Schulgelände statt, was Alkohol als verboten erklärte, aber nicht alle Schüler daran hinderte, sich heimlich zu vergnügen.

Nach der Zeremonie gab es ein grosses und lange zubereitetes Mittagessen (die Schüler haben gegen 5 Uhr morgens angefangen zu kochen). Anschliessend und abschliessend wurde getanzt und gefeiert, bis fast jeder durchgeschwitzt war.

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Disko der Abschlussfeier, open for everybody

Die darauf folgende Woche waren Nora und ich damit beschäftigt, Bilder zu sortieren und die Schüler aussuchen zu lassen, welche wir für sie in der Stadt drucken sollten. Nicht nur von der Graduation Feier sondern auch vom Fashion-Day der vorherigen Woche, bei dem die Regel der Schuluniform aufgehoben wurde und die Schüler in verschiebensten Kleidungsstyles in die Schule kamen.

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Form Fours nach der Zeremonie

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Form Ones beim Fashion Day

Am 22. Juni haben die Abschlussprüfungen des MSCE (Malawian School Certificate for Education) begonnen. Die praktischen Prüfungen für die naturwissenschaftlichen Fächer führt jede Secondary School selbst durch, doch alle Schriftlichen finden an einer staatlichen Schule des jeweiligen Clusters (Bezirkes) statt. Die Schüler des Chilumba Clusters gehen demnach an die Chilumba Secondary School, die nicht weit von Tawuka entfernt ist. Um an den Prüfungen teilnehmen zu dürfen, muss man eine ID-Card haben, die als Zulassung zum MSCE gilt. Da die meisten der Schüler keinen Pass haben, wird diese auch als Ausweis benutzt.

Von den zwölf Fächern (Physical Science, Biology, English, Chichewa, Mathematics, Geography, History, Social Studies, Bible Knowledge, Life Skills, Physical Education und Agriculture) muss jeder zumindest acht auswählen und belegen, beginnend in Form 3, wobei English und Mathematics Pflichtfächer sind. In allen gewählten Fächern muss man dann am Ende von Form 4 eine Prüfung schreiben, die bis zu fünfteilig sein kann. In allen acht Fächern erhält man eine Note von 1 bis 9, wobei 1 die beste und 9 die schlechteste ist. Von diesen acht Noten werden dann die sechs besten genommen und addiert um auf eine Punktzahl zu kommen, die demnach zu Folge zwischen 6 (das beste) bis 54 (das schlechteste) liegt. Das MSCE ist die Berechtigung zum Studium, wenn man unter 20 Punkte erzielt. Malawi hat drei staatliche Universitäten in Lilongwe, Zomba und Blantyre. Daneben gibt es zahlreiche private Unis und Colleges. Die Abschlussprüfungen werden schon Anfang Juli zu Ende sein, da jeden Tag eine oder zwei Prüfungen sind. Dann muss man etwa ein Jahr warten bis man sein Zertifikat bekommt. Das führt dazu, dass man lange warten muss, bevor man mit dem Studium anfangen kann.

Letzte Woche war schon Noras Abschiebsparty, weil sie in zwei Wochen Richtung Heimat aufbrechen wird. Ich bleibe noch mehr als einen Monat länger und werde, wenn die Ferien beginnen (Ende Juli), wohl etwas durch das Land reisen und Freunde besuchen.

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Abschiedsparty im Mzoozoozoo

Das Ende naht… Ich wiederhole mich, ich weiss… Aber, die Zeit vergeht viel zu schnell. Ich habe das Gefühl so viel erlebt zu haben und noch zu erleben, dass es ein Jahrzehnt füllen könnte. Und auf der andern Seite kommt es mir vor, als wäre es gestern gewesen, als ich im Dorf ankam und Freundschaften schloss.

Urlauber werden das kenne, wenn man in die Ferien fährt und neue Orte kennenlernt, verliert man sein Zeitgefühl und weiss nicht ob, Montag, Mittwoch oder Sonntag ist, geschweige denn, kennt man das Datum. Ich bin kein Urlauber, sondern arbeite hier und schreibe in der Schule täglich bestimmt viermal das Datum und checke den Wochentag auf dem Stundenplan. Doch mein Zeitgefühl ist trotzdem verkorkst. Den ersten Advent letzten Jahres, hätte ich total verpasst, wenn meine Schwester mich mit einer Whatsapp-Nachricht nicht daran erinnert hätte. Ostern und Weihnachten lagen gefühlsmässig so nah beieinander, dass beides in einer Woche geschehen sein konnte. Den Besuch meiner Eltern plane ich seit einem halben Jahr etwa und nun kommen sie schon in zwei Wochen. Mir bleiben nur noch knapp zwei Monate in Malawi und dabei habe ich noch so viel vor…

Die besten Grüße, Gottes Segen und Glück auf!

Elli

Einige meiner Fellow-volunteers haben sehr schöne Blogeinträge, auch über andere Themen, die ich nicht anspreche und mit guten Ideen, auf die ich nicht gekommen bin. Ihr könnt da auch gerne mal vorbeischauen…Sehr empfehlenswert

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Die besagten Fellow-Volunteers

Vincent, der im Kuti Wildlife Reserve in Salima arbeitet: https://vincentinmalawi.wordpress.com/

Lucas, auch von Kuti:                                                                                                                         https://lucasinmalawi.wordpress.com/author/lucasinmalawi/

Marius, aus dem MASO-Projekt (Malawi Aids Support Organisation) in Salima: https://cocktailofcultures.wordpress.com/

Luise, vom St. Michael’s Skills Development Centre in Ekwendeni: http://einjahrmalawi.blogspot.de/

Clara, die im House of Hope in Lilongwe unter anderem Kinder betreut: http://clarainmalawi.blogspot.com/

Lars, von der Mackenzie Primary School in Salima:                                                 https://larsoneyearinmalawi.wordpress.com/

# 13 Gipfeltreffen in Chilumba

In allen meiner drei Fächer besteht der Stoff aus relativ vielen Themen und zur Zeit habe ich ziemlich zu tun, den Lehrplan zu schaffen, da das Schuljahr in weniger als zehn Wochen enden wird.

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Gottesanbeterin auf meinem Notenheft

In letzter Zeit hatten wir aber oft auch andere events, die mich veranlassten nicht in meiner Klasse zu sein. Anfang Mai war Dr. Holger Keppel von der Organisation Malawifreunde Rottenburg e.V. (kann man sich genauer anschauen unter http://www.malawi-freunde-rottenburg.de/) an der Schule. Er und sein Verein sammeln Spenden für die Tawuka Private Secondary School und organisieren Patenschaften für mehr als dreissig Schüler. Auch drei meiner engeren Freunde aus Form Four sind sponsorte Schüler und haben auch ab und zu Kontakt mit ihren Paten in Deutschland. Viele Projekte, die an der Schule umgesetzt werden, sind durch den Verein finanziert. So zum Beispiel wurde vor ein paar Jahren der Bau des zur Schule gehörenden Mädcheninternates unterstützt, sowie eine solarbetriebene Wasserpumpe oder nun der Bau des Computerraumes, der hoffentlich noch fertig wird bevor ich im August gehe. Holger, den ich schon letztes Jahr in Bonn auf dem Vorbereitungsseminar kennen gelernt habe, war nun für zwei Tage zusammen mit einigen Leuten der Mzuzu Universität an der Schule um dort mit eingeladenen “wichtigen Leuten” einen Workshop zum Thema Klimawandel zu halten.

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Der Workshop fand im neugebauten Summerhut der Schule statt

Chiefs der umliegenden Dörfer kamen, Lehrer und Schüler benachbarter Schulen, Förster und Umweltbeauftragte, Elternvertretungen der Tawuka und einige mehr. Im Allgemeinen ging es die beiden Tage um die Frage, was Umweltprobleme der Gegend sind und welche möglichen Lösungen es gibt. Dabei wurden nicht nur der Klimawandel und seine Folgen besprochen, sondern auch sanitäre Bedingungen, die Infrastruktur, der Anschluss an sauberes Wasser und die Landwirtschaft. In erster Linie ging es darum herauszufinden, was die Menschen wollen und brauchen, wenn es um diese Dinge geht.

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Diskussion im Gange

Ein paar Tage später kam Holger noch mal wieder und hatte ein kleineres Treffen mit nur wenigen der Leute, die beim Workshop waren, um festzulegen, welche Projekte nun in Angriff genommen werden sollen. Dabei kamen drei Ideen zu Stande, die je nach dem ob Spenden zusammen kommen, in der nächsten Zeit verwirklicht werden sollen:

Erstens: 50 Energiesparpakete für 50 Familien, die jeweils eine Solarlampe und einen Mbaula Ofen (mit dem man mit Kohle statt Feuerholz kocht) beinhalten sollen.

Zweitens: Bezuschussungen für Zement und Ähnliches für den Bau besserer privater Toiletten, die einige Jahre halten sollen.

Drittens: Der Bau von drei oder vier Brunnen in der Gegend. Bis jetzt gibt es in ganz Chiluma nur einen Brunnen, und dabei ist Chilumba mehr als 60 km² gross. Menschen, die weiter weg wohnen, nutzen daher häufig Wasser vom Malawisee, welches nicht sehr sauber ist.

Viel wichtiger, denke ich, ist es auch, die Bevölkerung über Umweltverschmutzung und Klimawandel aufzuklären. Viele kennen die Folgen nicht, oder sind sich nicht bewusst auch einen Teil zum Klimawandel beizutragen. Besonders in Dörfern ist es beispielsweise üblich, über offenem Feuer zu kochen und hierfür wird Feuerholz verwendet, was man in umliegenden Wäldchen findet. Asthma ist daher eine weitverbreitete Krankheit. Die Vorteile eines Mbaulu Ofens sind aber, denke ich, nicht allen klar. Ich kann mir gut vorstellen, dass der geschenkte Ofen gerne angenommen, verkauft und das Geld genutzt wird, wobei dann mit Feuerholz, was man ja im Gegensatz zu Kohle kostenlos überall finden kann, weitergekocht wird.

Zwei der Folgen des Klimawandels, welche viele Menschen in Malawi betreffen, sind Trockenheit und Fluten.

Die meisten vor allem in Dörfern ernähren sich selbst durch ihre kleine Landwirtschaft, in der Mais, Kassava, Reis, Kartoffeln und ect. angebaut wird. Viele sind daher auf zuverlässigen Regen angewiesen. Kommt er zu spät, kommt er zu früh, kommt er zu stark oder zu gering, schadet er der Ernte und somit den Menschen. Ich habe das hier nicht so richtig mitbekommen. In der Gegend, wo ich wohne, gibt es nicht so starke Probleme, doch in anderen Regionen schon.

An der Schule gab es letztens eine Blutspende. Eine Woche vorher wurde das mit der Schulleitung vereinbart und in der Schülerversammlung angekündigt und umworben und dann kamen zu dem festgelegten Termin einige Krankenschwestern und ein Arzt, die die Blutspenden durchgeführt haben. Das System dabei war dem in Deutschland recht ähnlich: Registrierung, Formulare ausfüllen, kurzes Arztgespräch, Blutentnahme und anschliessend Essen und Trinken… In Malawi kann man ab einem Alter von 16 Jahren Blutspenden, sodass es viele Schüler gab, die an dieser teilnahmen. Die MBTS (Malawi Blood Transfusion Services) ist die verantwortliche Organisation, die Blutspenden durchführt und gespendetes Blut im Land verteilt.

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Schülerinnen bei der Blutentnahme

Meine Nachbarskinder gewöhnen sich immer mehr an uns und es ist schön zu sehen, wie die Kleinen, die anfangs noch ganz schüchtern waren und nicht mal grüssen wollten, nun schon von Weitem manchmal „Eliza, mawuka uli?“ und mir somit einen guten Morgen wünschen. Wir geben ihnen häufig Stifte und Papier zum Malen, worüber sie sich oft sehr freuen. Einige der Bilder kleben wir bei uns an die Flurtür, doch was sie nicht wissen dürfen, ist, dass unsere Freunde die Übrigen als Klopapier verwenden. ;D

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„Eliza, piktschara!“

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Eine Nachbarin, die Zuckerrohr verkauft

Noch etwas Persönliches: Mein Geburtstag war vor Kurzem und so ganz anders als ich es kenne oder erwartet hatte. In Malawi werden Geburtstage in der Regel nicht gross gefeiert. Somit hatte ich keine grossen Geschenke erwartet, doch aber das mir von meinen (malawischen) Freunden gratuliert wird. Das war nicht der Fall. Am nächsten Tag war meine geplante Party, die ich lange im Voraus organisiert hatte. In Jetty, der Hafenstadt Chilumbas, gibt es eine schöne Bar, die direkt am Strand des Malawisees liegt. Dort hatte ich Essen und einen DJ bestellt. Mit zwölf meiner besten Freunde sind wir am Nachmittag hingefahren und alles hat super geklappt, wäre da nicht das Verhängnis mit dem Stromausfall gewesen… Kein Strom, kein Licht, keine Musik… Naja, ich lerne gelassen zu sein.

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Die Thunduzi Beach Bar

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Abenddämmerung

Es war dennoch ein sehr schöner Abend, der mich wiederholt hat fühlen lassen, dass das Gefühl von Heimat aufkommen kann, wenn man Menschen um sich hat, die einen wertschätzen. Meine Freunde hier helfen mir sehr, kein Heimweh zu haben und es gelingt ihnen sehr gut, dass ich mich in Malawi (zumindest meistens) pudelwohl fühle.

Liebe Grüsse und bis bald (ahhhhh, nur noch zwölf Wochen!!!)

Eure Elisabeth

 

# 12 Vorurteile – Afrika

Einige meiner Freunde und Familie fragen mich regelmässig wie es mir geht und wie es denn so in Afrika läuft. Schön, der Klassiker! Ich freue mich immer über Nachrichten aus der Haimat. Nun ist diese Frage aber schwer zu beantworten, da ich mich in Chilumba, Malawi befinde und gern darüber berichten kann. Es ist jedoch eine sehr komplexe Aufgabe, wenn ich beantworten sollte, wie es in ganz Afrika läuft, wobei ich ja nicht mal alle 54 Länder des Kontinentes kenne.

Ich denke, dass die meisten es nicht so meinen, aber ich ärgere mich immer ein bisschen darüber, wenn mein Gastland mit der Verallgemeinerung “Afrika” abgestempelt wird. Es wäre in Etwa so, als würde ich meine Schwester fragen, wie es denn so in Europa läuft…

Bevor ich nach Malawi kam, hatte ich, wie viele andere sicher auch, einige Erwartungen, die sich hier als unwahre Vorurteile entpuppt haben.

Als Durchschnittsdeutscher geht man in der Regel davon aus, dass alle Afrikaner arm sind und es viel Hunger gibt. Meine Grosseltern waren vor meiner Abreise sicher besorgt, dass ich sehr abnehmen werde während dieses Jahres. Und auch ich hatte diese Annahme und sogar den Plan, da ich dachte, es gibt da bestimmt keine Süssigkeiten und geringere Mahlzeiten, nur Wasser zu trinken und ich werde die meisten und oft lange Strecken zu Fuss gehen müssen.
Das Gegenteil ist der Fall: Ich habe zugenommen. 😉

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Tägliches Schulessen: Nsima mit Bohnen und Kürbisblättern

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Zuckerrohr naschen

Es gibt das gute alte Vorurteil, dass alle Afrikaner gut tanzen können. Ich habe glücklicherweise viele Freunde meines Alters hier mit denen wir schon kleine private Parties hielten und ich kann sagen, dass viele gut und vor allem anders tanzen als ich, aber bei Weitem nicht alle, haben Schwung in den Hüften. Musik spielt durchaus eine wichtige Rolle und es gibt traditionelle Tänze, die Teil der malawischen Kultur sind, aber nicht jeder der mit schwarzer Hautfarbe geboren wird, wird als Tänzer geboren.

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Einer meiner Lieblingsabende: Tanzen mit Freunden bei uns zu Hause

Ein weiters Vorurteil, für welches ich mich selbst auch tadeln muss, ist, dass ich Europäer durchschnittlich für gebildeter hielt als Afrikaner. Bevor ich nach Malawi aufgebrochen bin, wusste ich nur, dass ich an einer Secondary School unterrrichten werde, doch dabei hatte ich keine Ahnung vom Schulsystem oder Lehrplan. Ich war der Annahme, dass ich das easy hinbekomme und der Stoff ja niemals meinem deutschen Abitur gleichkommen kann. Nun da habe ich mich gewaltig getäuscht. Der Unterrichtsstoff ist dem meines Abiturs ähnlich und dabei ist die Secondary School, eher sowas wie die Mittel- oder Oberschule. Nach acht Jahren Primary Scool folgen vier Jahre Secondary School und dann nach Möglichkeit University oder College. Plattentektonik, Martin Luthers Thesen und Säure-Base-Reaktionen gehören genau so zum malawischen Lehrplan wie Baumdiagramme, Vererbungslehre und present progressive. Was Englisch-Sprechen angeht, denke ich, dass Malawi sogar viel weiter entwickelt ist, als Deutschland. Geht man in Deutschland in ein normals Geschäft und spricht die Verkäuferin in Englisch an, kann es durchaus zu Missverständnissen kommen. In Malawi ist mir das noch nie passiert.

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Schüler während eines Examen

Vorurteil Nummer vier: Afrikaner sind kriminell. Das gleiche Dilemma, wie wir es in Deutschland haben, setzt sich von der Ferne aus fort. In der Heimat sind es die Flüchtlinge, im Weltkontext die Schwarzen. Es stimmt, dass Kriminalität vorkommt, ich denke (meine Meinung, nicht bewiesen), dass in Malawi Diebstähle die häufigste Form von Kriminalität sind, doch wie in Deutschland und überall auf der Welt gibt es immer Schwarze Schafe (mir gefällt das Wortspiel, als provokative Ironie zu verstehen), was aber nicht alle Flüchtlinge oder alle Malawier oder alle Schwarzen zu Kriminellen macht. Ich lebe hier ein sehr ruhiges und friedvolles Leben. Ich kann Sachen machen, die ich mir in Deutschland nicht getrauen würde (die ich aber aus Rücksicht auf meine Mutter lieber doch unerwähnt lasse ;))
Das Nächste ist, was sicher viele denken: Afrika ist heiss und trocken. Naja, stimmt nicht so ganz. Schaut mal auf meinen Blogeintrag # 11. Da könnt ihr lesen, dass es im Norden Malawis seit Februar ständig regnet und nachts setzt man sich ohne Jacke schon lange nicht mehr raus. Ja, die Temperaturen sind generell höher als in Deutschland, aber in Gegenden wie Mulanje, ein Bergmassiv im Süden, kann man sich leicht einen Schnupfen einfangen. Und wie schon gesagt Afrika ist nicht gleich alle afrikanischen Länder. Und nicht jedes besteht aus Wüste oder Urwald.

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Der Regen wird jetzt wieder weniger

Das womöglich berühmteste aller Vorurteile ist, in Afrika holt man sich alle möglichen Krankheiten. Komischerweise, dachte ich das auch und habe einen ganzen Medikamentenschrank mit nach Malawi genommen und mich bei meiner Organisation beschwert, dass die Einheit zu Medizin auf dem Vorbereitungsseminar viel zu kurz war. Heute sehe ich das ganz anders. Es stimmt, dass es Krankheiten, wie Malaria gibt und auch dass nach wie vor Menschen daran sterben. Jedoch hat sich die Medizin weiterentwickelt, nicht nur in der westlichen Welt sondern auch in Malawi. Malaria ist mit früher Erkennung und Behandlung kein grosses Problem und nach drei Tagen Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und Tablettennehmen ist das Schlimmste überstanden. Hier in Malawi hatte ich bis jetzt zweimal Schnupfen und ab und zu mal Durchfall, war aber sonst (Dank an Gott) noch nie krank.
Vorurteil Nummer sieben: Im Entwicklungsland leben alle in Hütten. Stimmt genau so wenig, wie das Vorurteil, dass alle Deutschen Lederhosen tragen. Sicher gibt es einige, doch bei Weitem nicht alle. Nach meiner Observation sind die meisten Häuser aus Ziegeln gebaut.

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Das Haus unserer Nachbarin und unseres

Nicht selten hört man das Statement, dass Afrikaner ja so glücklich sind, obwohl sie so wenig haben. Wer bitte, hat denn diese These aufgestellt?!! Die Menschen sind freundlich, lächeln, grüssen und lachen oft und gerne, aber macht das jeden automatisch zu einer glücklichen Person? Jemand, der arm ist und nicht viel hat, freut sich vielleicht schneller über Sachen, die ein Wohlhabender als Kleinigkeit einstuft, als jemand, der eh schon viel hat. Deutsche, wie ich sie kenne, jammern sehr gerne über Kleinigkeiten, was ein Malawier vielleicht nicht nachvollzeihen kann.

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Am Strand von Jetty

Kannst du schon Afrikanisch? Hmmm, kannst du denn Europäisch? Allein in Malawi gibt es mehr als zwanzig verschiedene Sprachen und Dialekte. Hier im Norden spricht man Chitumbuka, worin ich ein paar Brocken und Smalltalk kann. Die Nationalsprache, die jeder in der Schule lernt, ist Chichewa. Englisch bezeichnet man übrigens als Chizungu, “die Sprache des Weissen”. Aber Afikanisch kann ich leider nicht lernen, weil es gar nicht existiert.

Vorurteil Nummer zehn: Giftige Tiere lauern überall. So ganz ablehnen kann ich das nicht. Ich habe schon viele Skorpione gesehen, rechtzeitig entdeckte und auch stichfreudige. Allerdings bis jetzt nur eine Schlange und die war weit weg. Giftige Spinnen oder Käfer gibt es kaum oder gar nicht. Ich denke, je ländlicher die Umgebung ist, desto mehr Tierchen kann man finden oder sich von ihnen finden lassen… Glücklicherweise sind die Skorpione hier nicht tötlich und Gegenmittel für Schlangenbisse soll es in jedem Krankhaus geben. Ich möchte es aber lieber trotzdem nicht ausprobieren.

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Chilungulungu, gross wie ein Finger, aber nicht giftig

Nummer elf: In Afrika gibt es keine Technik. Ich dachte auch mal in diese Richtung, aber es hat sich als Unwahrheit entpuppt! Wie sich in anderen Ländern die Technik weiterentwickelt, so tut sie es auch hier in Malawi. Fast jeder meiner Freunde hat ein Phone, Facebook oder Whatsapp. Wir haben Strom im Haus (auch wenn er öfter mal ausfällt), einen Wasserkocher, eine Herdplatte, Licht in jedem Raum und meistens eine gute Internetverbindung. Dieses Schuljahr hat die Regierung ein neues Schulfach eingefüht, Computer Studies. An der Tawuka Secondary School, an der ich arbeite, wird seit letztem Jahr fleissig an einem Computerraum gebaut, der planmässig dieses Schuljahr noch fertig wird und in dem über zehn Computerarbeitsplätze eingerichtet werden sollen. Die Computer hierfür wurden schon gekauft.

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Ersatzcomputerraum, solange der richtige noch gebaut wird

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Beim MaBlacks Konzert in Mzuzu (Reggae)

Last but not least, Lass dich nicht von Löwen fressen! Okay… Man denkt in der Regel an eine exotische Tierwelt, wenn man an Afrika denkt. Löwen, Zebras, Elefanten und Giraffen überall. Ich habe bis jetzt noch keines dieser Tiere in Malawi gesehen, geanu so wenig meine Nachbarn, Freunde oder Lehrer an der  Schule. Es soll, so weit ich weiss, Elefanten in einigen Nationalparks geben, aber die typische Postkarte, auf deren Bild ich mit dem Rotweinglas bei Sonnenuntergang auf der Terasse sitze und wilde Tiere beim Wasserloch beobachte, kann ich nicht von Malawi aus verschicken.

 

Mit all dem möchte ich keinem auf die Füsse treten, sondern euch nur ein echtes Bild von Malawi vermitteln, wo falsche Vorurteile keinen Platz haben. Ich freue mich sehr über Komentare 😉

Liebe Grüsse Elisabeth

# 11 Es regnet, es regnet die Erde wird nass

Nun haben wir schon April. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber ich muss es trotzdem noch mal sagen: Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich habe das Gefühl, als hatten wir gerade erst Weihnachten und nun steht schon Ostern vor der Tür. Unfassbar!

Im Januar hat die Regenzeit begonnen und in diesem und dem letzten Monat hat sie ihren Höhepunkt. Dieses Jahr kam der Regen etwas später, als man es gewöhnt ist und viele blickten besorgt auf den späten Zeitpunkt des ersten Regenfalles. Doch jetzt, hat keiner mehr Grund zur Klage. Im Süden des Landes regnet es kaum noch, hier im Norden nahezu täglich mehrere Stunden und in Tansania fängt es erst noch so richtig an. Der Regen zieht also von Süden nach Norden. Ich persönlich empfinde die Regenzeit als willkommene Abwechslung zu den heissen Tagen, da es nachts nun abkühlt und aufgrund des Windes das Schwitzen zwar nicht rum ist, doch nun erträglich. Die andere Seite der Regenzeit ist aber die:

Nun haben wir Ferien, aber in der Schulzeit kam es nicht nur einmal vor, dass wir gar nicht oder sehr viel später in die Schule gegangen sind, weil es so heftig geregnet hat, dass ersten keiner aus dem Haus kann und zweitens deshalb eh keiner oder nur wenige in der Schule sind. Wenn es nachts stark schüttet, haben wir am nächsten Morgen immer einen Teich im und einen See vorm Haus.

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Wasser steht vorm Haus

Mein morgentlicher Ablauf sieht also oft so aus: Aufstehen, auf Zehenspitzen durch die Pfütze bis zur Haustür taumeln, Schuhe ausziehen, Rock hochraffen, Regenschirm aufspannen und durch den Matsch zum Klo waden. 😉

Letzte Woche habe ich einen fünftägigen Kurzurlaub bei den zwei Claras, zwei kolping-Freiwilligen in Lilongwe, der Hautpstadt Malawis gemacht. Auf der Hinfahrt mit dem Minibus erstmal bis Mzuzu, mussten alle auf halber Strecke aussteigen und einen Fluss zu Fuss überqueren, weil die Brücke vom Sturm mitgenommen wurde. Ich bin -meiner Meinung nach- nun doch schon etwas abgehärtet, aber das war ein kleines Abendteuer. Ich kam mir hierbei wie eine Attraktion vor.

“Schaut hin, jetzt überquert der Mzungu den Fluss!”

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Flussüberquerung

Von Mzuzu aus bin ich dann bis Lilongwe getrampt und war sehr gesegnet mit meinem Lift, der nicht lange auf sich warten liess und mich fast vor der Haustür absetzte. In der Stadt haben wir dann ein paar schöne Tage verbracht. Mein Eindruck von Lilo hat sich vom ersten Mal zu jetzt sehr stark verändert. Als ich zu Beginn meines Auslandsjahres in Malawi ankam und zunächst drei Tage in Lilongwe verbrachte, dachte ich noch, dass sie mit einer Anzahl von Hochhäusern die man gefühlt an einer Hand abzählen kann, doch kein Recht hat, Hauptstadt oder überhaupt Stadt genannt zu werden. Nun ist meine Sicht auf Lilo ganz anders. Gross, laut, viele Menschen, modern und vor allem so viel städtischer als alles andere, was ich sonst so sehe.

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Clara im House of Hope Projekt

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Gerostete Grillen auf dem Markt

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Die Ausbeute eines Chitenchekaufrausches mit Luise und Clara

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Kleiner feiner Urlaubsgenuss

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Die Strasse zwischen Lilongwe und Mzuzu

Ich bin mittlerweile wieder zurück zu Hause in meinem Dorf und habe vor die Ferien grösstenteils hier zu verbringen. Bei der letzten Lehrerkonferenz wurde festgelegt, dass es an unserer Schule auch während der Osterferien Unterricht geben soll, von 8:00 bis 12:00 Uhr. Das soll in erster Linie der Form 4, der Abschlussklasse dienen, die sich so besser auf ihre Prüfungen im Juni vorbereiten kann und ausserdem hängen die meisten Lehrer (ich auch) mit dem Stoff ziemlich hinterher, sodass nun ein bisschen was aufgeholt werden kann.

Clifford, einer meiner besten Freunde und Nachbarn hat mich diese Woche zu dem Feld seiner Familie mitgenommen, zu dem er fast jeden Morgen geht. Es ist etwa eine halbe Stunde von zu Hause entfernt und er baut dort Mais, Kassava, manchmal Süsskartoffeln und auf natürliche Weise Bananen an. Das Feld ist vergleichsweise sehr gross und wenn seine Familie die ganze Fläche nutzen könnte, würden sie neben den Eigenbedarf wohl auch verkaufen. Jedoch hat der Regen auch hier wieder seine Finger im Spiel. Etwa die Hälfte der Fläche ist nicht nutzbar da sich das Wasser dort bei zu starkem Regenguss zu einem Fluss sammelt und alles was dort zu wachsen gedachte, mitnimmt.

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Cliff vor einer seiner Bananenstauten

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Flussbett im Felde

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Sweet Apple, leckere Frucht, die nun reift

Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Marius, ebenfalls ein kolping-Freiwilliger, der in Salima in einem AIDS-Projekt arbeitet, hat vor kurzem seine Unterkunft gewechselt und hat ihn seiner neuen Wohnung – ACHTUNG AUFGEPASST – (Trommelwirbel…) eine Waschmaschine!!!

Na, Marius du wirst dich von nun an vor Besuchern kaum noch retten können!

Ich wünsche euch allen meine lieben Freunde ein wunderschönes Osterfest mit euren Lieben und den Segen unseres guten, gnädigen und uns über alles liebenden Gottes!!!

Man sieht sich 😉

Elisabeth

# 10 Halbzeit

Es ist kaum zu glauben, aber die Halbzeit ist schon rum und es bleiben mir nur noch gute fünf Monate hier in Malawi. Die Zeit vergeht wie im Flug und rauscht nur so an mir vorbei. Nach den ersten sechs Monaten meines Freiwilligendienstes -so schreibt es weltwärts vor- gab es ein Zwischenseminar. Hierfür bin ich in den Norden Tansanias gereist um mich dort mit einer der Leiter meiner Organisation kolping und 25 anderen Freiwilligen aus Malawi, Tansania, Uganda und Kenia zu treffen. Die Reise mit dem Bus hat etwa 23 Stunden gedauert. Rückzu waren es noch mal mehr, 35 Stunden.

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Der Songwe-River – ich lasse Malawi hinter mir

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Grenz-Office auf tansanischer Seite

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Wir hatten den Eindruck, dass es viel mehr Obst in Tansania gibt als in Malawi

Nora und ich sind zwei Tage früher angereist und hatten dadurch noch Zeit uns in der Gegend von Moshi, die Hot Springs (eine Art Urwaldoase) und die Stadt selbst anzuschauen.

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Hot Springs

Das Seminar selbst, war grössten Teils Wiederholung der Themen, die wir auch schon im Vorbereitungsseminar besprochen hatten, jedoch war es sehr schön sich mit all den anderen Freiwilligen auszutauschen und sich die vielen verschiedenen Erfahrungen anzuhören.

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Shopping in Moshi

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Moschee in Moshi

Zwei Themen, welche für mich persönlich die spannendsten waren, möchte ich nun hier mit euch teilen.

Nummer eins:

Diskriminierung

Mein “being white” ist nicht zu leugnen und im Gegensatz zu Deutschland fällt es hier in Malawi immer auf. Oft empfinde ich es als störend, wenn mir Kinder und auch ab und zu Erwachsene “Muzungu” zurufen und damit deutlich machen, dass ich erstens Weisse, zweitens Ausländerin und somit Fremde bin.

Ich fühle mich in Malawi wohl. Durch meine guten Freunde und die intensive Integration in meinem Dorf und der Schule kann ich das sagen, jedoch weiss ich, dass Malawi nie wirklich zu meinem zu Hause wird. Ich werde stets jemand sein, der irgendwie dazu gehören kann, aber nie voll und ganz als Malawierin gesehen wird, allein aus dem Grund, weil ich eine andere Hautfarbe habe. Diese Tatsache ist nicht weiter schlimm, jedoch wird mir das eben immer und immer wieder bewusst gemacht, wenn mich die Leute anders behandeln, weil ich anders bin. Ich fühle mich dabei nicht wohl, wenn ich im Bus mehr zahlen muss, weil der Fahrer denkt, dass ich mehr Geld habe oder wenn ein Lehrer davon ausgeht, dass ich Bescheid weiss, weil ich als Weisse als gebildet gelte. Natürlich sind das Kleinigkeiten, aber mir kam es bis jetzt fast immer wie eine Art Diskriminierung vor. Meine Freunde und die Menschen, die ich treffe meinen es meistens nicht böse, vielleicht sogar nett, aber aufgrund meiner Sensibilität, kommt dieses Gefühl bei mir auf. Was wir beim Seminar reflektiert haben, ist Folgendes.

Es ist zwar möglich, dass ich hier situationsbedingte Diskriminierung erfahre, jedoch nie strukturellen Rassismus. Das klingt jetzt hochtrabend, ich werde aber mein Bestes geben, um es einfach zu erklären. Das Wort Rassismus beschreibt das System und die Struktur, dass aufgrund von geschichtlichen, wirtschaftlichen und geografischen Bedingungen Schwarze als benachteiligt galten und teilweise nach wie vor gelten. Von Rassismus kann also nur die Rede sein, wenn Diskriminierung und Benachteiligung von einem Schwarzen erfahren wird. Ich kann somit nie Opfer von Rassismus werden, ebenso wenig jeder andere Weisse beziehungsweise Europäer.

Was jedoch auch von solchen erlebt werden kann, sind Situationen, in denen zeitlich begrenzt ein Weisser auf welche Weise auch immer benachteiligt wird. Ein einfaches Bespiel hierfür wäre:

Ein weisser Tourist fährt in Malawi mit dem Taxi und der Fahrer verlangt am Ende willkürlich 3000 Kwacha anstelle von 2000 Kwacha. Situativ ist der Weisse dieser Diskriminierung ausgesetzt und der Fahrer ist im Vorteil. Jedoch strukturell -und in Betracht seiner Lebensverhältnisse- ist der malawische Taxifahrer, dem weissen Tourist nicht überlegen.

Meinen vielen Privilegien muss ich mir immer wieder bewusst werden, denn dann erscheint die vermeitlich unerhörliche situative Diskriminierung während einer Busfahrt nichtig gegenüber der Tatsachen, dass ich viel Geld habe, mit meinem deutschen Pass ziemlich überall hinreisen kann, sozial versichert bin, gute Bildung genossen habe und eine sorglose Kindheit hatte.

Das sind jetzt nur Beispiele, die NICHT sagen, dass kein Malawier diese Eigenschaften hat.

Malawi ist ein schönes und friedvolles Land, indem viele Kinder womöglich viel besser und umsorgter aufwachsen, als in Deutschland, doch aufgrund von vielen Umständen, wie Lebensstandard und Politik, kann das Leben in Deutschland als ein besseres betrachtet werden als das in Malawi. Und somit kommt es oft zu der Annahme, dass ein Deutscher mehr Notwendigkeit des besondern Behandelns verdient als ein Malawier.

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Alle Ostafrika-Projekte

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Der Kilimanjaro, von meinem Hostel aus

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Sofia, Freiwillige in Uganda

Nummer zwei:

Meine Rolle als Freiwillige

Ich denke, es ist notwendig euch meine Aufgabe hier zu erklären. Ich habe schon oft von Freunden und Familie gehört, dass es ganz toll ist, was ich hier mache und dass ich etwas Gutes tue, was das Land Malawi weiterentwickeln wird. Selbst hier wird mir oft überschwänglich für meinen Einsatz gedankt und ich werde gelobt, dass ich diesem Land so viel Wichtiges bringe. Es tut mir leid, aber das ist nicht die Wahrheit.

Meine Rolle als Freiwilige entspricht weder einer Entwicklungshilfe, einer Hilfe zur Selbsthilfe noch einer Aufopferung für Ungebildete. Ich bin lediglich eine junge Frau, die gerade ihr Abitur abgeschlossen, kaum Lebenserfahrung und erst recht keine Ausbildung für das Genannte hat.

Jedoch bin ich hier in Malawi aus folgenden Gründen:

1. Ich lerne

Es ist kaum zu glauben, wie viel ich hier schon gelernt habe. Das reicht von Wäsche waschen, zu Preise verhandeln, bis Begreifen und Verstehen von Kulturunterschieden. Ich bin nicht in diesem Projekt um Menschen etwas zu lehren oder um den Schülern in der Schule womöglich eine bessere Bildung zu geben, als sie die von den lokalen Lehrern erhalten können. Diese sind studierte und ausgebildetet Pädagogen, mit denen ich mich nicht messen kann. Ich mache dieses Auslandsjahr in erster Linie für mich selbst, um was von der Welt zu sehen, Menschen kennen zu lernen, zu begreifen, wie Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede verbinden können und um viele Erfahrungen zu sammeln, die ich später im Leben gebrauchen kann. Jeden Tag, lerne, lerne und lerne ich viel Neues dazu.

2. Ich tausche aus

Der Kulturaustausch steht im Vordergrund und ist meine Hauptaufgabe. Mit meinen Freunden und Nachbarn, den Lehrern an der Schule und meinen Schülern betreibe ich täglichen Austausch. Sie sehen und hören etwas von meiner deutschen Kultur und ich sehe, höre und erfahre die malawische. “Eliza, wie kocht ihr in Deutschland Nsima (= Maisbrei)?”

“Gar nicht, wir haben kein Nsima. Das habe ich hier in Malawi das erste Mal gegessen.”

3. Ich vermittele

Viele Freunde aus dem Dorf und an der Schule, kennen nur wenige Weisse, was dazu führt, dass viele Vorurteile bestehen. Durch meinen direkten und often Kontakt mit den Menschen, kann ich einige dieser Vorurteile durchbrechen und zeigen, dass eine Weisse auch ein ganz normaler Mensch ist und vieles genau so macht, wie die Leute hier. Mit einer Weissen als Nachbarin zu leben, konnten sich so einige vielleicht am Anfang nicht recht vorstellen, mittlerweile ist das schon fast was Normales.

4. Ich bringe Ideen

Durch mein Anderssein und viele Dinge, die ich anders handhabe, rege ich meine Freunde zum Denken an. Ich habe beispielsweise schon oft Diskussionen über das Schlagen von Kindern gehalten. In vielen Familien und auch in Primary Schools ist es üblich Kinder und Schüler auf diese Weise zu erziehen. Ich denke, dass meine Meinung vielleicht am Anfang von dem ein oder anderen als lächerlich gegalten wurde, jedoch habe ich die Hoffnung, dass es zumindest ein Denkanstoss ist, dass es auch anders gehen kann. Natürlich werde ich keine Strukturen ändern, das ist auch nicht meine Aufgabe und das will ich auch gar nicht. Aber ein kleines Stück kann ich dazu beitragen, dass zumindest Einige es vielleicht anders machen werden.

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Gruppenbild aller Seminarteilnehmer, im Vordergrund die vier Mentoren

Die aufmerksamen Leser unter euch erinnern sich vielleicht noch an Blogeintrag # 6 “Kultur pur”. Darin habe ich beschrieben, wie ich mir das Eintauchen in eine andere Kultur und das darauffolgende Mitschwimmen vorstelle. Die Tatsache, dass ich jetzt lange keinen Blog mehr geschrieben habe und nicht so recht weiss, was ich euch berichten soll, lässt mich daran denken, dass ich jetzt wahrscheinlich anfange mitzuschwimmen und mir deshalb kaum Besonderheiten auffallen.

Ich lebe nun seit mehr als sechs Monaten hier in Malawi und ich muss sagen, dass mir das Leben in Deutschland sehr fern zu sein scheint. Ich weiss, dass ich irgendwann, und das sogar sehr bald (oh Schreck, es ist Halbzeit!!!) wieder zurück gehen muss und dass ich dann wahrscheinlich, sehr bald wieder mein Deutschsein aufnehmen und ausleben werde. Denn was hier so anders ist, ist das Leben an für sich und dieses kann ich hier annehmen und auch danach leben, aber sobald ich wieder in der Heimat bin, wird das Leben, wie es dort ist, auch wieder zu meinem. Doch obgleich ich auch vieles vergessen werde und irgendwann in zwei oder drei Jahren vielleicht sogar nicht mal mehr weiss, wie man auf Chitumbuka Smalltalk führt (denn das kann ich mittlerweile, zu mehr reicht es aber leider immernoch nicht), werde ich nie, nie, nie diese zweite Heimat verlieren, die ich hier gefunden habe. Und dafür bin ich so unbeschreiblich dankbar.

Die besten Grüsse

Elli 😉

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Spaghettiessen in unserem Wohnzimmer

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Clifford, Kondwani und ich

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Süsskartoffelpommes kochen mit meinen fellow volunteers in Mzuzu

Careful readers may remember blog post #6 “Kultur pur” (Of course, this one you only will find in German, sorry for that). Therein I have described, how I imagine the diving into a new culture and the following drifting in it. The fact, that I am feeling speechless and that I am not sure, what I could report to you, makes me believe, that I am starting to swim now. This may be the reason, why I don’t recognize differences and specials, which are worthy to be reported, any longer.

Now, I have lived more than six months in Malawi and I have to say, that the life, how it is in Germany seems to be much far away. I know, that one time and this even will be soon (What the hag, it is half-time!!!) I have to go back to my country. There, probably, I will be fast in re-adopting the German life-style and culture. Because the thing, what makes my life here in Malawi so different to the one in Germany, is the life itself. This I can adopt and I can live with it, but as soon as I will be back in my homecountry, the life I will find there, is also going to be mine again. However, I will forget many things and in two or three years I even will not remember, how to have small-talk in Chitumbuka (because, this I can already manage, but unfortunately not more), I will never, never, never lose this second home, which I have found here. And for that I am unbelievably thankful.

Best regards

Eliza

# 9 Weihnachtliche Unterschiede und politische Veränderungen

So, Weihnachten und auch Silvester ist rum und gut überstanden. Lange bevor ich hier herkam, machte ich mir Gedanken, wie das alles wohl so bezüglich Heimweh wird und bei meinem Vorbereitungsseminar erklärten sie uns, dass das grösste Heimweh bei den meisten zur Weihnachtszeit auftritt. Deshalb kann ich mit Stolz sagen, dass das bei mir nicht der Fall war. Natürlich liebe ich meine Familie und meine Freunde und mei schienes Arzgebirsch nadürlich ah, aber ich bin trotzdem froh, dass ich keine ständige Sehnsucht habe, sondern mein Kopf und mein Leben gerade hier ist und ich denke das ist gut so.

Das Weihnachtsfest war dieses Jahr für mich ganz anders als ich es sonst kenne. Schon die Adventszeit hat mir gezeigt, dass meine malawischen Freunde nicht viel Tamtam machen. Am 24. Dezember besuchte ich zusammen mit Cliff und Nora unsere Freunde Albert und Chikumbutso bei ihren Familien in Nyungwe, was etwa 40 Minuten mit dem Minibus von meinem Dorf entfernt ist.

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Die beiden Mamas unserer Freunde und ein paar Geschwister in Nyungwe

Sie sind beide über die Ferien für ein paar Tage, wie die anderen Schüler auch, nach Hause gefahren. Es war sehr schön ihre Eltern und Geschwister kennenzulernen, auch wenn die Kommunikation eher schwierig war, aufgrund dessen, dass sie kaum Englisch sprechen. Wie das zu Weihnachten ja auch in Deutschland üblich ist, haben wir eine ganze Menge gegessen: Reis, Rindfleisch und Gemüse. Nachdem wir nachmittags wieder heim gefahren sind, war an diesem Tag nichts Besonderes mehr, denn das eigentliche Weihnachten feiern die meisten Malawier erst am 25. Dezember. Hierfür hatten wir uns ein Huhn gekauft, was wir planmässig selbst schlachten wollten, welches sich aber leider von selbst über Nacht verabschiedete, da wir vergessen hatten, Wasser in die Kammer zu stellen. Anyway, wir haben es trotzdem gekocht 😀

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Unser Weihnachtsbraten

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Weihnachtsessen

Ganz ohne „Alle Jahre wieder“, Weihrauchkerzchen oder erzgebirgisches Neunerlei ging der Tag relativ unspektakulär über die Bühne, und um ehrlich zu sein, war ich etwas enttäuscht vom malawischen Weihnachten. Am Abend hatten wir dann mit Fanta und Cola, Keksen und Reggae-Musik noch eine schöne Zeit und die unserer Freunde, die hier waren, bekamen ihre Geschenke, worüber sie sich, denke ich, recht freuten.

Den Tag darauf, sind Nora und ich für eine Woche nach Cape Maclear in den Süden gereist, wo wir uns mit etwa 30 anderen deutschen Freiwilligen trafen um Strand-Urlaub zu machen. Diese Gegend ist sehr schön und relativ touristisch, was heisst dass wir am Silvesterabend mit geschätzt 1000 Touristen, Ausländern und nur wenigen locals eine fette Party hatten.

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Blick auf den See und die Thundi Insel von unserer Lodge aus

Der Malawi-See ist bekannt für seine Fischvielfalt. Einige Buntbarscharten kann man weltweit nur hier finden. So machten wir auch eine Bootstour, bei der wir schnochelten und eine sehr schöne Unterwasserwelt zu sehen bekamen.

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Schnorcheln

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Aufgenommen mit Noras Unterwasserkamera

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Eine Bootsfahrt die ist lustig…

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Öffentliches, kostenloses Kino im Dorf bei Cape Maclear

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Immer eine Riesenfreude, wenn man so was besonderes findet 😀 Magnumeis!!!

Für uns war es Glück, dass es nur an einem Abend regnete, obwohl die Regenzeit schon lange begonnen hat, doch viele Malawier beklagen jetzt schon die Trockheit in manchen Gegenden des Landes. Letztes Jahr litten viele -insbesondere die ländliche Bevölkerung im Süden- an zu wenig Regen und der darausfolgenden Hungersnot. Nicht wenige Bauern, Experten und einige unserer Freunde befürchten, dass sich das dieses Jahr wiederholen wird, wenn nicht sogar mit noch schlimmerem Ausmassen, da Vorräte aus letzten Jahren kaum existieren und Importe immer teurer werden. Das führt nicht nur zu direkten, primären Problemen, wie Hunger, sonden reicht bis zur Wirtschaft, Politik und mehr. Da sich die ohnehin unstabile wirtschaftliche Lage eher verschlechtert als weiterentwickelt, wird Malawi nicht so schnell aus dem Entwicklungslandstatus rauskommen. (Meiner persönlichen Einschätzung nach) Ich habe mich schon oft mit verschiedenen Leuten hierüber unterhalten und meisten sind sie alle der gleichen Meinung. Noch vor Weihnachten wurde der 2000 Kwacha-Schein eingeführt, was laut der Regierung den Bürgern Einiges erleichtern soll,aus meiner Sicht jedoch, zum weiteren Verfall der Währung führen wird.

Auf meine Frage, warum das Land so viele ökonomische Probleme hat, besteht die Antwort meist aus der Korruption öffentlicher Stellen, dem hohen Interesse an der eigenen Bereicherung der Führungspersonen und der unzureichenden Bildung der Gesamtbevölkerung. So wurden beispielsweise die Studiengebühren der staatlichen, eigentlich günstigeren Universitäten in Mzuzu, Blantyre und andern Städten stark erhöht, sodass sich ausser schon gebildeten, reichen Studenten, das kaum einer mehr leisten kann. Da die Studenten in Mzuzu seit Oktober streiken, um dagegen zu protestieren, ist die Uni seit dem geschlossen. Die Regierung reagiert jedoch kaum darauf. Der Präsident, Prof. Arthur Peter Mutharika, meinte hierzu wohl, er sei dafür nicht zuständig und der Bildungsminister ebenso.

2019 wird es Wahlen geben. Die mit denen ich gesprochen habe, meinen jedoch fast alle, dass sich viele Bürger leicht während der Wahlkämpfe kaufen lassen, weshalb sich vielleicht nicht viel ändern wird. Nun bin ich ja kein Experte, aber wie ich das Land und seine politischen Verhältnisse sehe, denke ich das Gleiche.

Ich bin gespannt, wie das Land in fünf, zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird und wo es dann steht. Only God knows.

Ich arbeite nun seit dem 03. Januar wieder und es hat einige Änderungen an der Schule gegeben. Zwei Lehrer wurden gefeuert, darunter Noras und mein Freund, der uns zu sich nach Hause zum Essen einlud, mit dem ich in die Kirche ging und mit dem wir Ausflüge machten. Darüber sind wir sehr traurig. Dann gibt es aber auch zwei neue Lehrer, darunter eine Frau, sodass die Zahl der weiblichen Mitarbeiter an der Schule am Steigen ist und wir nun schon vier madames sind.

Die erste Schulwoche war kaum ernsthaft. Nur die Hälfte der Schüler war da, die Lehrer kamen zu spät und es gab nur Wiederholungen und keinen neuen Stoff. Aber kommende Woche soll es dann richtig losgehen. Ich freue mich, dass meine Freunde nun auch alle wiederkommen und damit die Stimmung und der Spass ein- und die Ruhe auszieht.

Liebe Grüße und noch ein Bibelwort, was mir gerade wichtig scheint:

Luke 6:32-36

„If you love only the people who love you, why should you receive a blessing? And if you do good only to those who do good to you, why should you receive a blessing? Even sinners do that! And if you lend only to those from whom you hope to get it back, why should you receive a blessings? Even sinner lend to sinners, to get back the same amount! No! Love your enemies and do good to them; lend and except nothing back. You will then have a great reward, and you will be children of the Most High God. For he is good to the ungrateful and the wicked. Be merciful just as your Father is merciful.“

#8 Advent, einmal anders

Der erste Term ist jetzt rum und die Ferien haben seit dem 15. 12. begonnen. Wir planten schon lange, was wir alles so machen wollen und ich freute mich schon sehr darauf. Wie schon oft beschrieben, macht mir die Arbeit in der Schule meistens Spass und ich fühle mich im Kollegium wohl. Aber wie die meisten, freue ich mich jetzt trotzdem auf ein paar freie Tage.

Das Blöde ist nur, dass Nora und ich beschlossen haben, über Weihnachten in unsererm Dorf, Mponela zu bleiben um malawische Weihnachten mit unseren Freunden hier zu erleben. Doch die meisten unserer Freude, gehen hier zur Schule und wohnen im Dorf nur zur Miete und sind jetzt über die zwei Wochen Ferien nach Hause gefahren. Von unsererm etwa achtköpfigem engeren Freundeskreis bleiben über Weihnachten nur drei hier, was uns jetzt schon dazu veranlasst, uns wieder auf die Schulzeit zu freuen. Weihnachten das erste Mal fern von der Heimat, ohne meine Familie zu feiern, klingt erstmal ganz fremd für mich. Alles was ich so kenne und liebe an der Advents- und Weihnachtszeit, sei es der Schnee vorm Haus, das Kaminfeuer im Wohnzimmer, Glühweintrinken auf dem Weihnachstmarkt, Plätzchenbacken mit Oma und Opa, Räucherkerzchenduft im ganzen Haus und besinnliches Zanken beim Weihnachtsbaumaufstellen, gibt es dieses Jahr für mich nicht. Doch nachdem ich hier so schnell gute Freunde gefunden habe, dachte ich, wird dieses Weihnachten zwar definitiv anders, aber dennoch richtig schön, mit meiner “Familie”, die ich hier habe. Nunja, und jetzt gehen sie fast alle… Etwas Enttäuschung für mich.
Vorletzte Woche waren Nora und ich in Mzuzu, Weihnachtsgeschenke shoppen, jedoch werden wir sie allen unserern Freunden am Heilig Abend gar nicht übergeben können. 😦 Na gut, genug beklagt. Es geht mir gut und Weihnachten wird sicher trotzdem schön!
Wie schon gesagt, waren wir vorletztes Wochenende in Mzuzu, der grösserern Stadt drei Stunden von hier und haben uns dort mit Luise, auch kolping-Freiwillige hier im Norden, getroffen. Am Sonntag hat uns dann Arif, unser indisch-britisch-malawischer Freund, der auch in Mponela lebt und somit mit Nora und mir, der einzige Ausländer ist, abgeholt und wir sind zusammen nach Rumphi gefahren zum Nyika Nationalpark. Dieser ist Malawis grösster Nationalpark, in dem die Landschaft herrlich ist und es eignetlich den Lake Kazuni gibt, der allerdings zu dieser Zeit grösstenteils ausgetrocknet ist.

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Arif, unser netter Nachbar

Die Regenzeit hat zwar in manchen Teilen des Landes schon begonnen und eigentlich auch bei uns in Chilumba, aber der globale Klimawandel hinterlässt auch hier seine Spuren, weshalb es zwar vor zwei Wochen ein paar Tage wie aus Eimern geschüttet hat, dann aber seit Tagen wieder kein Tropfen gefallen ist und es wieder so heiss wie vor den kühlenden Schauern war.

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Schöne Landschaft auf dem Weg zum Park, Rumphi

Im Park haben wir neben zahlreichen Schimpansen und Warzenschweinen auch Antilopen, wie Impallas, Kudus und Springböcke gesehen. In den Überresten des Sees haben sich jede Menge Flusspferde getümmelt und kaum von Arifs Auto stören lassen, sodass wir ganz nah ran konnten.

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Impalla Antilope

Viele andere Touristen haben wir nicht gesehen. Das kann einerseits daran liegen, dass jetzt nicht gerade Urlaubszeit war oder weil Malawi nicht auf der TopTen-Liste der Urlaubsziele steht. (Kleine Empfehlung für die Abendteurer unter euch: Malawi ist wunderschön, nicht touristenverpestet, günstig und die Menschen sind super freudlich! Beste Reisezeit August, da ist die Regenzeit rum, vieles Grün und es ist noch nicht so heiss…)

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Luise, Nora und ich mit Flusspferden im Hindergrund

Nachdem Nora und ich viel reisen und dabei dann meistens unsere Freunde vermissen, hatten wir uns überlegt, nicht auch mal einen Ausflug mit ihnen zusammen zu machen und sie einzuladen. Unsere drei besten Freunde, Kondwani, Clifford und Albert durften sich hierfür das Reiseziel raussuchen, was dann Nkhata Bay wurde, was hier im Norden der schönste Strand sein soll, und wo sie alle drei noch nicht waren. Am Freitag ging hierfür die Reise los, mit dem Minibus nach Mzuzu. Dort haben wir ihnen die Stadt, die wir mittlerweile ganz gut kennen, gezeigt, waren Pizza essen und im Shoprite, die grosse sehr westliche Einkaufshalle.

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Im Shoprite

Dannach ging es mit einem Minibus ein und halb Stunden weiter nach Nkatha Bay Town, von wo aus wir eine halbe Stunde zu Fuss zur Buttfly Space Lodge gelaufen sind. Den ersten Abend haben wir (Mädchen und Jungs getrennt) in Dorms, also jugendherbergsähnlichen Doppelstockbettzimmern geschlafen, nachdem wir abends noch Bao (malawisches Brettspiel) gespielt, Fanta geschlürft und das Leben genossen haben.

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Match im Bao-Spielen (Nora hat gewonnen)

Am nächsten Morgen waren wir am Strand und die Jungs baden. Nora und ich haben uns da lieber zurückgehalten, denn nach deren überraschten Reaktionen, dass die anderen weiblichen Touristen recht freizügig baden, wollten wir sie nicht noch mehr verwundern. Den Tag haben wir dann am Strand gechillt und die super Landschaft genossen.

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Der Malawisee in Nkhata Bay

Die zweite Nacht hatten wir zwei Zimmer, die dann viel bequemer waren. Den Abend und bis spät in die Nacht haben wir dann beisammen gesessen, Geschichten erzählt, viel Spass gehabt und sogar ein bisschen zur Barmusik getanzt. Am nächsten Tag ging es dann leider schon wieder zurück.

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Mit unseren drei Boys am Strand

Diese drei Tage waren so schön, nicht nur für die Jungs, die selbst nicht so die Möglichkeit haben viel zu reisen, sondern auch für Nora und mich, weil uns diese drei sehr am Herzen liegen und uns ihre Freude sehr gefreut hat.
Als ich noch in Deutschland war und mich auf dieses Auslandsjahr vorbereitet habe, hätte ich nie gedacht, dass ich so gute Freundschaften schliessen werde oder das es möglich ist, sich trotz kultureller und gesellschaftlicher Unterschiede einander so gut zu verstehen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Freunde hier habe, die es schaffen kaum Heimweh aufkommen zu lassen.

Den nächsten Ausflug machten wir gleich zwei Tage später, wobei fünf andere kolping-Freiwillige zu uns nach Chilumba kamen, hier übernachteten und wir am nächsten Tag gemeinsam nach Livingstonia, etwa zwei Stunden von hier entfernt, fuhren.

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Tolle Aussicht von der Lodge aus

Dort campten wir in einer Lodge am Berg, von wo aus wir eine super Aussicht hatten und am Nachmittag machten wir eine kleine Wanderung zu den bekannten Wasserfällen, an denen man auch baden kann.

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An den Wasserfällen

Der 15 km Abstieg von Livingstonia am nächsten Morgen war zwar sehr abenteuerlich und anstrengend aber dieser Ausflug hat sich dennoch sehr gelohnt.

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Beim Abstieg von Livingstonia

 

Grüsse an die Heimat und ein gesegnetes Weihnachtsfest an meine Lieben!
Glück auf!

#7 Tawuka – Wir sind aufgewacht

Die besten Grüsse aus dem warmen, wenig weihnachtlichen (wie ich es kenne) Chilumba.

Ich habe viel zu tun hier, aber grösstenteils macht mir die Arbeit Spass. Die Schule und der Alltag ist verschieden zu dem in Deutschland.

Neben dem normalen Schulbetrieb, der hauptsächlich aus Unterrichtsvorbereitung, Unterrichten, Tests aufstellen und korrigieren und der Arbeit in der Bibliothek besteht, gibt es ab und zu noch andere spezielle Sachen.

Vor zwei Wochen hatte unsere Schule, die Tawuka Private Secondary School, Besuch aus Deutschland, von Einigen der Organisation “Malawifreunde Rottenburg”, die die Schule finanziell unterstützt und Patenschaften für einige der Schüler übernimmt und organisiert. Für diesen Besuch haben Nora und ich mit einigen Schülern ein Programm vorbereitet, wobei die Schüler hierbei selbst kreativ waren und wir nur wenig zu verbessern hatten.

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Die Besucher in Form 2

Mehr hatten wir mit der Rede zu tun, die Kondwani und Albert, zwei unserer besten Freunde, die direkt neben uns wohnen, auf deutsch hielten. Das war überraschenderweise sogar ganz gut, zwar hat es ein bisschen Übung gebraucht, was die Aussprache angeht, aber letztlich haben sie das echt gut hinbekommen und die Besucher waren alle sehr begeistert davon.

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Albert, Kondwani und Briget während der Rede

Traditionelle Tänze, wie Ndoro, Maripenga und Gule-Wankulu, Gedichte und Lieder trugen dann dazu bei, dass die Gäste ein bisschen malawische Kultur erleben konnten. Das Komische an diesem Tag war, dass ich mich im Vergleich mit den anderen Deutschen, die sich Malawi mit einer Zehntagesreise angeschaut haben, viel integrierter gefühlt habe. Kleinigkeiten und deutsche Gepflogenheiten, die in Malawi nicht üblich sind oder eben malawische Verhaltensweisen, die unsere Gäste nicht kannten, sind mir sofort ins Auge gefallen. Beispielsweise, alle Frauen trugen Hosen, was in der Schule eigentlich nicht erlaubt ist oder beim Händeschütteln mit einer Autoritätsperson ist es hier üblich die rechte Hand mit der linken zu stützen, um Respekt zu bezeugen.

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Schüler tanzen Ndoro

Letzten Samstag machten wir mit unserem “Drama und Arts Club” einen Schulausflug nach Karonga Boma (Stadt) in das dortige Kultur- und Geschichtsmuseum. Die Tawuka Schule hat seit einigen Wochen ein eigenes Auto, was ein Transporter mit Ladefläche ist. Am Tag zuvor, war ich mit Felix, meinem Mentor und Direktor der Schule, im Polizei Office, um eine Sondergenehmigung der Verkehrspolizei zu bekommen, dass ich den Transporter mit den 24 Schülern fahren darf. Dort mussten wir “nur” zwei Stunden auf die zuständige Polizistin warten, die dann “nur” 5000 Kwacha von mir haben wollte, als was auch immer, vielleicht Aufwandsentschädigung oder Papiergeld 😀

Anyway, ich war sehr glücklich, als ich das Schreiben dann hatte.

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Auf der Reise nach Karonga

Und am Samstag ist dann auch alles gut gegangen. Auf der 1,5 Stunden Fahrt kamen wir durch vier Polizeikontrollen. Das ist aber nicht unüblich. Auf unseren Reisen mit dem Minibus, werden auch manchmal die Passagiere gecheckt, manchmal ein bisschen gequatscht, die TÜV-Plakette überprüft und die Muzungus nach ihren Pässen gefragt. Ich denke, hauptsächlich will die Polizei Präsenz zeigen, denn wirklich ernsthaft kontrolliert haben sie uns noch nie und dabei wurden wir schon oft “kontrolliert”. In Karonga hatten wir eine etwa zweistündige Führung vom Vater einer meiner Schülerinnen, der dort arbeitet.

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Die Malawikarte zusammenpuzzeln, nicht ohne Hilfe meiner Schüler 🙂

Die Stadt ist für diese Ausstellung bekannt, da dort ein grosses Malawisaurus-Skelett nachgebaut ist, die malawische Geschichte und Kultur sowie geologische Besonderheiten des Landes dargstellt werden. Ich denke, den Schülern hat es sehr gut gefallen.

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Im Museum

Anschliessend sind wir noch an den Malawisee gefahren, wo wir gegessen haben und einige Schüler baden waren. Ich fand die Exkursion auch sehr schön, da auch unsere Freunde in unserem Club sind und wir damit den ersten gemeinsamen Ausflug gemacht haben. Neben Nora und mir sind auch unsere zwei besten Freunde aus dem Lehrerkollegium mitgefahren, Mr Msiska und Mr Kasambara.

Letzte Woche hatte ich ein kleines Projekt mit Form 1 in meinem Bibel-Knowledge Unterricht. Wir sind gerade beim Thema von Jacob und Esau im alten Testament und damit sie die Geschichte besser verstehen, haben wir ein kleines Theaterstück daraus gemacht. Mit impovisierten Kostümen und spontanen Texten.

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Die Fünf im Vordergrund waren die Darsteller

In Form 2 ist während eine meiner Stunden letzte Woche eine Schülerin zusammengebrochen und hatte eine Art Asthma-Anfall, die ich zusammen mit dem Headteacher, Mr Matengele ins nächste Krankenhaus gefahren habe, wo man feststellte dass sie Malaria hat. Für viele in Europa klingt das wahrscheinlich hart, aber diese Krankheit ist, wenn man sie früh erkennt und behandelt nicht sehr gefährlich. Sie war für ein paar Tage zu Hause, hat Tabletten genommen und war eine Woche später schon wieder in der Schule.

Ich kann übrigens mit Stolz behaupten mittlerweile fast alle Namen meiner Schüler zu kennen. Probleme habe ich jedoch mit den Zwillingen in Form 2, ich gebe mein Bestes, aber verwechsele sie dennoch ständig 😦

(Liebste Grüsse an meinen Schwager, ich kann die Probleme deiner früheren Lehrer jetzt nachvollziehen ;D)

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Form 2, die ich sechs Stunden pro Woche unterrichte

Als ich in meinem Life-Skills Unterrricht in Form 2 gerade das Thema AIDS und HIV behandelt habe, hatten wir auch ein kleines Projekt beziehungsweise einen Gastredner. Ich hatte mit der Oberschwester des St. Anne’s Krankenhauses, welches nur etwa zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt ist, vereinbart, dass einer ihrer Krankenpfleger zu uns an die Schule kommt und in Form 2 einen Vortrag hält, bei denen die Schüler kompetente Antworten auf ihre vielen Fragen, die ich zuvor nicht richtig beantworten konnte, bekamen. Das ist super gelaufen und hat meinen Schülern, denke ich, sehr gut gefallen. Laut einer Statistik von UNAIDS leiden mehr als zehn Prozent der Malawier an HIV oder AIDS, weshalb ich es sehr wichtig fand, dass die Schüler, wenn es schon Unterrichtsthema ist, auch richitg was davon mitnehmen können.

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Zwei Elizas vorm Haus von Felix, meinem Mentor

Das Schuljahr hier ist in drei Terms unterteilt, wobei das erste nun fast zu Ende ist. Die letzten zwei Wochen vor den Ferien, sind Prüfungen für alle Schüler in jedem Fach. Hierfür haben wir Lehrer, jeder selbst für sein Fach, die Examen aufgestellt, getippt und kopiert. Und wiederrum die Fachlehrer sind auch die Supervisor, also Aufsichtspersonen im Prüfungsraum. Interessante Erfahrung.

Die Wochenenden sind dann meistens sehr entspannt. Wenn wir keinen Ausflug machen, bei dem wir zeitig aufbrechen müssen, wird ausgeschlafen (das heisst hier, etwa 7 Uhr oder spätestens 8 Uhr aufstehen), mit unserern drei direkten Nachbarjungs ausgiebig frühstücken und den Tag chillen.

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Sonntagsfrühstück

Diesen Samstag haben wir allerdings wieder einen kleinen Ausflug zusammen mit unseren zwei besten Lehrerfreunden nach Karonga Boma gemacht. Dort hat uns Clinwell seine alte Uni, Teacher’s Training College Karonga, gezeigt, an der er studiert hat und später sind wir noch mit einem Sharetaxi die halbe Stunde zur tansanischen Grenze gefahren. Dort bildet der Songwe River die genaue Grenzlinie und da wir diese überschritten, können wir sagen, dass wir in Tansania waren, wenn auch nur für ein paar Minuten.

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Mit Msiska und Clinwell am Strand von Karonga Boma am Malawisee

Ansonsten sind wir schon fleissig dabei unsere Ferien zu planen, in deren drei Wochen wir viel unternehmen wollen.

Schöne Adventszeit, liebe Freunde

P.S. Die Räucherkerzeln habe ich im Koffer gehabt.

Gottes guten Segen euch und ihm Dank, dass er hier bei mir ist und da bei euch!

#6 Kultur pur

Ich denke das Kennenlernen von Kulturen kann man in verschiedene Phasen einteilen.

Es ist so anders, wenn man für längere Zeit in einem Land lebt, als wenn man nur Urlaub dort macht. Man sieht die Menschen, das Land und die Kultur dann mit ganz anderen Augen. Wer meint ein Land zu kennen, nur weil man zwei Wochen im Urlaub dort war, irrt sich.

Die erste Phase, die auch jeder erlebt, der nur für kurze Zeit in der Fremde ist, ist nur ein oberflächliches Kennenlernen der Kultur. Dabei fallen einem die vielen Unterschiede auf. Die verschiedene Sprache, das Wetter, das verschiedene Essen, die so andere Mentalität… Solche Dinge eben.

Ich bin nun schon seit einigen Wochen in Malawi und befinde mich gerade am Anfang der zweiten Phase des Kulturkennenlernens, in der mir die zahlreichen kleinen und grossen Gemeinsamkeiten auffallen. Unsere Nachbarskinder freuen sich, wenn sie Papier und Stifte zum Zeichnen bekommen, die Bauarbeiter an der Schule haben die Auflage Helm tragen zu müssen, nahezu jeder Jugendliche kennt Justin Bieber, nicht wenige schimpfen über die Politiker, aber keiner weiss wie man es besser machen könnte.

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Draussen sitzen mit unseren Freunden

Ich bin schon gespannt, wann ich Phase drei erreiche (vielleicht in einen halben Jahr?), die ich mir wie folgt vorstelle. Nachdem ich in die Kultur meines Gastlandes eingetaucht bin, werde ich beginnen im Strom mitzuschwimmen. Ich hoffe, dass ich fähig sein werde, die Kultur ein Stück weit anzunehmen, so dass mir Unterschiede und Gemeinsamkeiten nicht mehr ins Auge stechen, sondern die Dinge wie sie sind, halt einfach so normal sind. Ich freue mich darauf! Und ich werde euch natürlich berichten, wie es dann so sein wird.

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Nyapeti unsere Mama oder Buja, (wie sie die Jungs nennen) auf dem Weg zur Kirche

Ich persönlich erlebe Malawi als wunderbares Land und bin meistens sehr glücklich hier. Vorletzte Woche hatte ich Donnerstag einen Tag frei und war mit Nora, Felix (unser Mentor und Direktor der Schule) und seiner Familie bei der Ernennung und Amtseinführung des neuen Senior-Chief, der das Haupt des Bezirkes Nyungwe ist und somit ein sehr „hohes Tier“. Felix ist über irgendwelche Ecken mit ihm verwandt (irgendwelche deshalb, weil wir die Familienverhältnisse nicht immer so verstehen, ein Cousin dritten Grades wird schnell mal Bruder genannt und die Tante des Onkels ist eben die Oma). Des Chiefs Klan und somit auch Felix‘ zählen also zur Prominenz und sollte dem Chief was zustossen und er nicht länger fähig sein, sein Amt auszuführen, wird einer des Klanes ausgewählt um dann der Chief zu sein.

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Der Chief, seine Frau und andere Prominente bei der Zeremonie

Die Zeremonie war sehr langwierig, dauerte etwa vier Stunden und bestand hauptsächlich aus zahlreichen Reden, die alle in Chitumbuka und für uns unverständlich waren. Zum Ende wurden Geschenke übergeben und ein Programm vorgestellt, inklusive traditioneller Tänze, wie Maripenga und Ndoro, eines Schülerchors und Schauspiels.

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Felix, der seine Rede hält

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Die Frauen tanzen Ndoro

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Maripenga, traditioneller Tanz

Wir hatten die Ehre den Chief persönlich kennezulernen, bei ihm zu Hause zu essen und ein Stück der geschlachteten Kuh mit heim zu nehmen.

Letztes Wochenende waren Nora und ich endlich mal in Karonga Boma, der nächsten Stadt, die nur eine Stunde entfernt ist. Da wollten wir schon lange mal hin, es kam bis jetzt aber immer was dazwischen. Nun, am Samstag war aber die Einweihung und Eröffnung der katholischen St. Joseph Kathedrale, zu der wir wieder zusammen mit Felix und Monika, seiner Frau hinfuhren. Das war ein ziemlich grosses Event, bei dem geschätzt 7000 Menschen, der Vizepräsident Malawis und Kardinal Filoni aus Rom dabei waren.

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Die St. Joseph Katherale

Wir kamen etwa 9 Uhr dort an, fanden glücklicherweise einen Schattenplatz, denn der Gottesdienst fand im Freien statt und mussten dann noch zwei Stunden warten, bis dieser endlich losging. Da er in Englisch war und viel getanzt und gesungen wurde, hat er Nora und mir richtig gut gefallen. Die Diözese Karonga ist mit 60 000 Katholiken die kleinste Malawis, aber da knapp 20 Prozent der Christen des Landes Katholiken sind, ist diese Zahl relativ hoch.

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Der Gottesdienst fand draussen statt, wegen der vielen Leute

Nach dem Lunch, gegen 14 Uhr sind wir noch kurz in die Stadt auf den Markt und Geld abheben, denn internationale Banken findet man immer nur in den Städten und da müssen wir immer jede Gelegenheit nutzen um uns flüssig zu halten.

Auf dem Rückweg war dann plötzlich der Tank des Busses leer und wir mussen eine Weile warten, bis der Beifahrer mit dem Kanister zurück war, aber im Ganzen war es ein sehr schöner Tag.

Vor einem Jahr wurde in Malawi die Todesstrafe wieder eingeführt, nachdem sie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr legal war. Ein Grund dafür, und wahrscheinlich der Hauptgrund, war die zunehmende Ermordnung von Albinos. Albionos gibt es nach meinem Urteil relativ viele in Malawi, ich habe schon über zehn getroffen und es kommt nicht selten vor, dass diese aufgrund von abergläubischen Ritualen ermordet werden beziehnungsweise in den letzten Jahren wurden. Obwohl die meistverbreiteste Religion das Christentum ist, gefolgt vom Islam (beide existieren friedlich nebeneinander) kann man nahezu in jedem Dorf einen Witchcraft-Doktor finden, an den nach wie vor einige der Menschen glauben. Albinoknochen sollen angeblich Glück bringen, weshalb diese teuer verkauft werden/wurden.

Aus meiner Sicht ist Ploygamie nicht weit verbreitete, kommt aber dennoch vor. In Malawi ist es einem Mann nicht verboten mehrere Ehefrauen zu haben, wenn er es sich denn leisten kann. Einige unserer Freunde stammen auch aus Polygamie-Familien. Ich habe aber noch keinen der jüngeren Generation getroffen, der das gut heisst, oder der auf besagte Männer gut zu sprechen ist. Oftmals ist es der Fall, dass in einer solchen Familie der Vater nicht für seine meist zahlreichen Kinder finanziell aufkommen kann oder die Frauen unter einem Dach friedlich miteinander auskommen.

In Uliwa, der „Town“ unserer Gegend, wo wir immer einkaufen, habe ich jetzt eine Gemeinde gefunden, bei der ich jetzt schon dreimal war und in der es mir recht gut gefällt. Sie nennt sich „Word Lover“ und ist die Gemeinde des anderen BibleKnowldge-Lehrers der Schule, Mr Msiska, mit dem Nora und ich recht gut befreundet sind. Neben Lobpreis, lebhafter Predigt, die extra für Fremde (in dem Falle mich) ins Englische interpretiert wird, viel Gebet und Bibellesen ist meine Hauptbeschäftigung Schwitzen, denn die Temperaturen steigen stets und in der Kirche ist es immer (Verzeiht mir den Ausdruck!) Scheisse-heiss!

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Word Lover in Uliwa, „meine“ Kirche

Das letzte Wochenende waren wir wieder in Mzuzu, Sandra und Lea verabschieden, die nächste Woche nach Deutschland zurückfahren werden. Für die Abschiedsparty waren alle zehn Kolping-Freiwilligen in der Stadt und noch andere Freunde der beiden Mädels. Gefeirt wurde im Mzoozoozoo und anschliessend noch im Sunbird-Club. Es war ein sehr schöner Abend, bei dem wir alle viel Spass hatten.

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Abschiedsparty in Mzuzu

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Na, wer zeigt hier wahre Grösse?

Eine Sache, die mir doch tatsächlich fehlt: meine Waschmaschine. Ich habe mir nicht nur einmal die Finger wundgescheuert beim Wäsche waschen… 😀

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Wäsche waschen

„For I am certain that nothing can seperate us from his love: Neither death nor life, neither angels nor other heavenly rulers or powers, neither future nor present, neither the world above nor the world below – there is nothing in all creation that will ever be able to seperate us from the love of God which is ours through Christ Jesus our Lord.“

Romans 8, 38-39